Was nicht warten kann
Was nicht warten kann
Es gibt spezifische Momente im Leben, in denen etwas völlig Neues beginnt und man gleichzeitig auf eine fast schmerzhafte Weise spürt, wie endlich alles ist. Die KODO Akademie ist am 1. Januar entstanden – ein Moment des Aufbruchs, der Klarheit und der Ausrichtung auf die Zukunft. Doch nur wenige Tage später, am 13. Januar, hätte für mich vieles schon wieder vorbei sein können. Was sich zunächst einfach nur ernst anfühlte, stellte sich am Ende als eine akute Herzmuskelentzündung heraus. Es war die unnachgiebige Quittung für eine verschleppte Grippe und einen viel zu frühen, unaufgeregten Wiedereinstieg in die tägliche Arbeit und den Sport.
Das Muster des zu frühen Weitermachens
Zu früh. Zu viel. Zu selbstverständlich. Diese drei Dynamiken sind keineswegs außergewöhnlich. Gerade Menschen, die im täglichen Leben eine immense Verantwortung tragen, die permanent im unternehmerischen Druck stehen und über Jahrzehnte gelernt haben, einfach immer weiterzumachen, kennen dieses Verhaltensmuster bis ins Detail. Man funktioniert, weil das System es scheinbar verlangt, und überhört dabei die feinen, leisen Warnsignale des eigenen Körpers, bis das System im Hintergrund eine Vollbremsung erzwingt.
Die Illusion des unendlichen Aufschiebens
Was mich seit diesem einschneidenden Ereignis zutiefst beschäftigt, ist weniger der medizinische Vorfall selbst, als vielmehr die fundamentale Frage nach dem, was wir im Alltag permanent aufschieben. Es sind die klärenden Gespräche, die noch immer offen im Raum stehen. Es sind die unbequemen Wahrheiten, für die im Kalender stets ein vages „später" vorgesehen ist. Wir leben im ständigen Glauben an die Illusion, dass die wirklich wichtigen Dinge des Lebens unendlich viel Zeit hätten. Doch die Realität ist unbestechlich: Manches hat Zeit. Manches definitiv nicht.
Ein Plädoyer für die unmaskierte Haltung
Ich merke für mich seit diesen Januartagen sehr klar, dass ich in meiner Arbeit und meinem Leben keine Maske mehr tragen möchte. Weder die Maske des Immer-Starken, der jede Erschütterung weglächelt, noch die des perfekt funktionierenden Rädchens im Getriebe. Wahre Führung und echte Resilienz beginnen mit der Bereitschaft, sich so zu zeigen, wie man ist – ungeschönt und echt. Vielleicht ist es für uns alle gut, manche Gespräche im Betrieb und im Privaten viel früher zu führen. Nicht später.
